Digitalisierung

Buchungsplattform oder eigenes Buchungssystem? Ein ehrlicher Vergleich für Salons

Arda Özkan, Software-Architekt7 Min. Lesezeit
Symbolbild: Fachkraft mit Laptop in einer technischen WerkstattSymbolbild

Eine Buchungsplattform mit Marktplatz bringt Ihnen Neukundinnen, die Sie sonst nicht erreichen würden. Dafür zahlen Sie für Marktplatz-Neukundinnen eine Provision, und Ihr Salon steht neben der Konkurrenz. Ein eigenes Buchungssystem auf Ihrer Website kostet einen festen Monatspreis, bringt aber von sich aus keine Reichweite. Welche Lösung passt, hängt davon ab, woher Ihre Kundinnen heute kommen. Wir bieten mit Astra BeautyOS selbst ein eigenes Buchungssystem an und haben diesen Vergleich trotzdem so fair wie möglich geschrieben.

Zwei Modelle, zwei Zwecke

Plattform mit MarktplatzEigenes Buchungssystem
Wo gebucht wirdIm Marktplatz der Plattform, oft zusätzlich über einen Button auf Website und Social MediaAuf Ihrer Website, in Ihrem Design
Neue KundinnenÜber die Reichweite des MarktplatzesÜber Ihre eigene Sichtbarkeit bei Google, Instagram und Empfehlungen
KostenMonatspreis plus Provision für Marktplatz-NeukundinnenMonatspreis, keine Provision
Andere Salons sichtbarIm Marktplatz ja, dort stehen andere Salons danebenNein
KundendatenIn der Software der Plattform; laut Treatwell bleiben sie Eigentum des SalonsIn Ihrer eigenen Instanz
BewertungenVor allem auf der PlattformAuf Google und Ihrer Website

Was eine Plattform tatsächlich kostet: das Beispiel Treatwell

Als Beispiel die öffentlich genannten Konditionen von Treatwell für Österreich, abgerufen am 19. Oktober 2026: Der Tarif Starter kostet 39 € pro Monat, Advanced mit Kassensystem 49 € pro Monat plus 7,50 € TSE-Gebühr, jeweils zuzüglich USt. In den häufigen Fragen der Preisseite nennt Treatwell eine Provision von 35 % für die erste Buchung neuer Kundinnen, die über den Marktplatz kommen; in der Tarifübersicht steht, dass die Neukundenprovision je nach Standort unterschiedlich ist. Erneute Marktplatz-Buchungen sind provisionsfrei, Online-Vorauszahlungen kosten 2 %.

Wichtig für den fairen Vergleich: Termine, die nicht über den Marktplatz kommen oder über den Treatwell-Button auf Ihrer Website oder Ihren Social-Media-Kanälen gebucht werden, sind laut Treatwell provisionsfrei. Der Unterschied zwischen den Modellen liegt also weniger im Monatspreis als in der Frage, wie viele Neukundinnen der Marktplatz bringt, wem die Kundenbeziehung gehört und wie Ihr Buchungsauftritt aussieht.

Rechnen Sie mit Ihren eigenen Zahlen

Ein Rechenbeispiel mit angenommenen Werten: Kommen über den Marktplatz zehn Neukundinnen im Monat mit einer Erstbehandlung um 70 €, ergibt eine Provision von 35 % rund 245 € im Monat. Werden davon einige zu Stammkundinnen, war das günstige Kundengewinnung. Kommt kaum jemand wieder, war es teure Werbung. Der No-Show- und Provisions-Rechner rechnet das mit Ihren eigenen Zahlen durch, zusammen mit den Kosten von Terminausfällen.

Wann eine Plattform die bessere Wahl ist

  • Ihr Salon ist neu und noch wenig bekannt.
  • Sie haben regelmäßig freie Termine, die Sie füllen möchten.
  • Ihre eigene Website und Ihr Google-Unternehmensprofil bringen noch kaum Anfragen.
  • Ihnen sind Kasse, Kalender und Marktplatz aus einer Hand wichtiger als ein eigener Auftritt.

Wann ein eigenes System die bessere Wahl ist

  • Der Großteil Ihrer Termine kommt von Stammkundinnen und Empfehlungen.
  • Ihre Website und Ihr Instagram-Profil werden bereits gefunden, die Buchung soll dort stattfinden.
  • Sie möchten, dass Kundinnen beim Buchen nur Ihren Salon sehen, in Ihrem Design.
  • Sie wollen Kundendaten in Ihrer eigenen Instanz halten und selbst entscheiden, wie Sie damit arbeiten.

Die Kombination bedeutet zwei Kalender

Viele Salons möchten beides: die Plattform für Neukundinnen und die eigene Buchung für Stammkundinnen. Das geht, hat aber einen Haken. Treatwell schreibt auf der Preisseite, dass es sich nicht mit anderen Kalendersystemen synchronisiert. Wer beide Kanäle nutzt, führt also zwei Kalender und braucht eine klare Regel, etwa feste Zeitfenster für Plattform-Buchungen, damit es keine Doppelbuchungen gibt. Für kleine Teams ist ein Kalender als Hauptsystem meist einfacher.

Datenschutz: Sie bleiben verantwortlich

Für die Daten Ihrer Kundinnen bleibt der Salon verantwortlich, egal welches System Sie nutzen. Verarbeitet ein Anbieter Buchungsdaten in Ihrem Auftrag, braucht es einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DSGVO. Treatwell schreibt auf der Preisseite, dass die Daten Eigentum des Salons bleiben und nicht an Dritte weitergegeben werden. Fragen Sie jeden Anbieter, auch uns, nach diesem Vertrag und danach, wie Sie Ihre Daten bei einer Kündigung exportieren.

Terminerinnerungen zu einer gebuchten Leistung sind in der Regel keine Werbung. Für werbliche SMS und E-Mails, etwa Newsletter oder Nachrichten an Kundinnen, die länger nicht da waren, verlangt § 174 TKG 2021 grundsätzlich eine vorherige Einwilligung. Die Ausnahme für eigene Kundinnen setzt unter anderem voraus, dass sie schon bei der Erhebung der Kontaktdaten und bei jeder Nachricht kostenfrei widersprechen können.

Worauf Sie bei einem eigenen Buchungssystem achten sollten

  • Es werden nur Zeiten angeboten, die im Kalender der jeweiligen Mitarbeiterin wirklich frei sind, inklusive Behandlungsdauer und Pausen.
  • Erinnerungen per E-Mail und SMS gehen automatisch hinaus; fragen Sie, wie SMS verrechnet werden.
  • Fragen Sie, ob sich für lange Behandlungen eine Anzahlung verlangen lässt und welche Gebühren des Zahlungsanbieters dafür anfallen.
  • Die Buchung lässt sich als Seite oder Widget in Ihre bestehende Website einbinden.
  • Sie können Ihre Kundendaten jederzeit exportieren.

Astra BeautyOS läuft produktiv bei einem Wiener Beauty-Salon und beginnt bei 49 € pro Monat netto plus Einrichtung, ohne Provision je Buchung. SMS werden nach Verbrauch verrechnet. Eine Online-Anzahlung ist vorbereitet, aber noch nicht freigeschaltet. Ob das für Ihren Salon günstiger ist als eine Plattform, hängt von den Zahlen oben ab, nicht von unserem Wunsch.

Häufige Fragen zum Thema

Was kostet ein eigenes Buchungssystem für einen Salon?

Astra BeautyOS beginnt bei 49 € pro Monat netto plus einmaliger Einrichtung, ohne Provision. SMS-Erinnerungen werden nach Verbrauch verrechnet. Eine individuelle Entwicklung mit eigenen Funktionen beginnt deutlich höher und lohnt sich vor allem für Ketten.

Wie hoch ist die Provision bei Treatwell?

In den häufigen Fragen der Preisseite nennt Treatwell 35 % für die erste Buchung neuer Kundinnen über den Marktplatz, in der Tarifübersicht heißt es, die Neukundenprovision sei je nach Standort unterschiedlich. Maßgeblich ist Ihre Partnervereinbarung (Stand 19. Oktober 2026).

Kann ich Plattform und eigene Buchung parallel nutzen?

Ja, aber mit zwei Kalendern, weil Treatwell laut eigener Aussage nicht mit anderen Systemen synchronisiert. Sie brauchen dann eine klare Regel, welche Zeiten über welchen Kanal buchbar sind.

Verliere ich Kundinnen, wenn ich die Plattform verlasse?

Stammkundinnen, die Ihren Salon kennen, finden meist auch den neuen Buchungsweg, wenn Sie ihn rechtzeitig kommunizieren. Neukundinnen aus dem Marktplatz fallen weg. Deshalb sollte vor dem Wechsel klar sein, wie Sie diese Reichweite ersetzen.

Hilft ein eigenes Buchungssystem gegen No-Shows?

Erinnerungen und Anzahlungen helfen, egal in welchem System. Wie stark die Ausfälle sinken, hängt von Ihrer Kundschaft ab. Zählen Sie die Ausfälle einen Monat vor und nach der Umstellung.

Quellen

Stand der Angaben: 19. Oktober 2026. Gesetze und Förderbedingungen ändern sich; maßgeblich sind die verlinkten Originalquellen.

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