Recht & Sicherheit

Claude DSGVO-konform nutzen: was Betriebe einstellen müssen

Arda Özkan, Software-Architekt8 Min. Lesezeit
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Claude lässt sich im Betrieb datenschutzgerecht einsetzen, wenn Sie einen Geschäftstarif nutzen (Team, Enterprise oder API), den Auftragsverarbeitungsvertrag ablegen, die Übermittlung in die USA dokumentieren und Feedback, Websuche und Agenten bewusst einstellen. In diesen Tarifen verwendet Anthropic Eingaben und Ausgaben laut eigener Angabe standardmäßig nicht zum Training. Gespeichert werden die Daten in den USA; eine EU-Datenresidenz direkt bei Anthropic gibt es nicht (Stand 20. Oktober 2026). Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung; im Zweifel fragen Sie Ihre Datenschutzberatung oder einen Anwalt.

Welcher Claude-Tarif ist für Firmendaten geeignet?

Die wichtigste Entscheidung fällt vor der ersten Eingabe. Anthropic unterscheidet zwischen privaten Tarifen (Free, Pro, Max, auch wenn damit Claude Code genutzt wird) und geschäftlichen Produkten (Team, Enterprise, API). Für beide gelten unterschiedliche Bedingungen.

TarifTraining mit Ihren DatenVertragSpeicherdauer laut Anthropic
Free, Pro, MaxNutzer entscheiden selbst in den Datenschutz-EinstellungenVerbraucherbedingungenBei erlaubter Modellverbesserung bis zu 5 Jahre in pseudonymisierter Form; gelöschte Chats nach 30 Tagen aus den Systemen
TeamStandardmäßig nicht; Ausnahme Feedback über die Daumen-SchaltflächenCommercial Terms mit Auftragsverarbeitungsvertrag (DPA) und StandardvertragsklauselnChats bis zur Löschung, danach innerhalb von 30 Tagen
EnterpriseStandardmäßig nichtWie TeamEigene Aufbewahrungsfristen einstellbar
APIStandardmäßig nichtWie TeamEingaben und Ausgaben im Regelfall innerhalb von 30 Tagen gelöscht

Verarbeitet ein Anbieter personenbezogene Daten in Ihrem Auftrag, verlangt Art. 28 DSGVO einen Vertrag mit bestimmten Mindestinhalten. Diesen Vertrag sieht Anthropic in den Commercial Terms vor, also für Team, Enterprise und API. Private Tarife laufen über die Verbraucherbedingungen und sind damit für Kundendaten in der Regel ungeeignet. Für ein Ein-Personen-Unternehmen heißt das: Entweder Sie geben keine personenbezogenen Daten ein, oder Sie nutzen den Team-Tarif mit zwei Plätzen oder die API.

Wo verarbeitet Anthropic die Daten?

Laut Anthropic werden Daten der geschäftlichen Produkte in den USA gespeichert. Verarbeitet werden können sie in ausgewählten Ländern in den USA, Europa, Asien und Australien, für interne Zwecke wie Sicherheitsprüfung oder Support auch dort, wo Anthropic tätig ist. Enterprise-Kunden können die Verarbeitung auf die USA beschränken. Eine Beschränkung auf die EU bietet Anthropic direkt nicht an.

Wer eine Verarbeitung in Europa braucht, kann Claude über Amazon Bedrock oder Google Cloud nutzen. Laut Anthropic bietet Bedrock regionale Endpunkte mit garantierter Datenführung durch bestimmte Regionen, Google Cloud Endpunkte für mehrere Regionen eines Wirtschaftsraums; beide kosten 10 % Aufschlag. Dann gelten die Bedingungen des Cloud-Anbieters, nicht die von Anthropic. Auch das Excel-Add-in lässt sich laut Anthropic über diese Plattformen bereitstellen, ohne dass jede Person ein eigenes Claude-Konto braucht.

Für die DSGVO ist die Speicherung in den USA eine Übermittlung in ein Drittland nach Kapitel V. Anthropic stützt sie laut eigener Angabe auf Standardvertragsklauseln (Art. 46 DSGVO), die im Auftragsverarbeitungsvertrag enthalten sind. Ob in Ihrem Fall zusätzliche Maßnahmen nötig sind, klären Sie mit Ihrer Datenschutzberatung.

Was müssen Sie vertraglich und organisatorisch erledigen?

  1. Geschäftstarif wählen und schriftlich festlegen, dass Firmendaten nicht in private KI-Konten gehören.
  2. Commercial Terms und Auftragsverarbeitungsvertrag von Anthropic herunterladen und ablegen. Mit dem Abschluss der Commercial Terms akzeptieren Sie laut Anthropic automatisch auch den Vertrag.
  3. Das Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten ergänzen (Art. 30 DSGVO): Zweck, Datenkategorien, Anthropic als Auftragsverarbeiter, USA als Drittland, Standardvertragsklauseln als Garantie.
  4. Die Datenschutzinformation für Kunden prüfen (Art. 13 DSGVO), wenn deren Daten in Claude verarbeitet werden.
  5. Eine kurze interne KI-Richtlinie schreiben: welche Daten hinein dürfen, welche nicht, wer Ergebnisse prüft.
  6. Beschäftigte schulen. Art. 4 AI Act verlangt Maßnahmen für ausreichende KI-Kompetenz; laut RTR gehört dazu ausdrücklich, keine personenbezogenen Daten oder Geschäftsgeheimnisse unrechtmäßig an einen Anbieter zu übermitteln. Mehr im Ratgeber AI Act für KMU.
  7. Bei umfangreicher Verarbeitung sensibler Daten eine Datenschutz-Folgenabschätzung prüfen (Art. 35 DSGVO).

Die allgemeinen Regeln für alle KI-Werkzeuge, von der Rechtsgrundlage bis zur Anonymisierung, stehen im Ratgeber Kundendaten in ChatGPT und Co..

Welche Einstellungen gehören im Team-Tarif dazu?

Die folgenden Schritte nimmt eine Person mit der Rolle Owner oder Primary Owner vor. Die Menünamen geben wir so wieder, wie Anthropic sie im Hilfe-Center nennt; in der deutschen Oberfläche können sie abweichen.

  1. Feedback abschalten: Unter Organization settings > Data and Privacy die Einstellung „Rate chats“ deaktivieren. Sonst kann jede Person über die Daumen-Schaltfläche ein ganzes Gespräch an Anthropic schicken, das dann bis zu 5 Jahre gespeichert und für Training verwendet werden darf.
  2. Websuche begrenzen: Unter Organization settings > Capabilities die Websuche für Chat und Cowork ausschalten, wenn Sie sie nicht brauchen. Claude in Chrome lässt sich gesondert unter Organization settings > Claude in Chrome abschalten.
  3. Agenten bremsen: Für Cowork legt die Organisation fest, ob der Modus „Automatisch genehmigen“ überhaupt verfügbar ist. Schalten Sie ihn zu Beginn ab, damit Claude vor jedem Schritt fragt.
  4. Konnektoren auswählen: Nur die Anbindungen freigeben, die gebraucht werden, etwa Google Drive oder Microsoft 365. Jede Anbindung erweitert, was Claude lesen und tun kann.
  5. Anmeldung absichern: Single Sign-on und Domain-Bestätigung einrichten und das Anlegen weiterer Organisationen mit Ihrer Domain sperren, damit niemand an der Verwaltung vorbei einen eigenen Arbeitsbereich eröffnet.
  6. Ausgaben begrenzen: Ausgabengrenzen für die Organisation und einzelne Personen setzen, bevor Sie zusätzliches Nutzungsguthaben aktivieren.
  7. Inkognito-Chats erklären: Sie werden laut Anthropic in geschäftlichen Tarifen innerhalb von 30 Tagen gelöscht, sofern kein Verstoß gegen die Nutzungsrichtlinie gemeldet wurde.

Enterprise bietet zusätzlich eigene Aufbewahrungsfristen, Protokolle für Prüfungen (Audit-Logs), Benutzerverwaltung über SCIM und vom Kunden verwaltete Schlüssel. Für die meisten Betriebe mit weniger als 20 Personen reicht Team mit den Einstellungen oben. Wer Microsoft 365 nutzt, sollte dort parallel die Grundlagen absichern; wie das geht, steht im Ratgeber Microsoft 365 absichern.

Und wenn jemand doch Pro oder Max nutzt?

  1. Auf dem Computer: Name im Menü anklicken, Settings, dann Privacy. Unter „Help improve our AI models“ den Schalter ausschalten. Am Handy führt derselbe Weg über Settings und Privacy.
  2. Ausgeschaltet speichert Anthropic gelöschte Chats noch bis zu 30 Tage, eingeschaltet können Chats bis zu 5 Jahre pseudonymisiert für Training aufbewahrt werden.
  3. Inkognito-Chats werden laut Anthropic nie zur Modellverbesserung genutzt, auch wenn die Einstellung eingeschaltet ist.
  4. Auch mit ausgeschaltetem Training gilt: keine Kundendaten in private Konten.

Was darf in Claude, was nicht?

Art der DatenEmpfehlung
Öffentliche Informationen, allgemeine Texte, VorlagenUnproblematisch, auch im privaten Tarif
Interne Unterlagen ohne Personenbezug, etwa Preislisten oder AblaufbeschreibungenGeschäftstarif; Geschäftsgeheimnisse nur, wenn die Richtlinie das erlaubt
Kundendaten wie Name, Adresse, AnfrageNur im Geschäftstarif, nur die nötigen Angaben (Art. 5 DSGVO), im Verzeichnis dokumentiert
Gesundheitsdaten und andere besondere Kategorien nach Art. 9 DSGVONicht in den Chat; wenn überhaupt, eigene Lösung mit Prüfung durch die Datenschutzberatung
Passwörter, Zugangsdaten, KontodatenNie
Dateien aus fremden Quellen, die ein Agent bearbeiten sollNur mit Vorsicht: Laut Anthropic können sie versteckte Anweisungen enthalten

Was gilt für Agenten wie Claude Cowork?

Cowork liest freigegebene Ordner, nutzt verbundene Apps und kann Websites bedienen. Anthropic schreibt selbst, dass Cowork wegen seines Agenten-Charakters und des Internetzugangs besondere Risiken hat, und rät bei Aufgaben mit Geld, Nachrichten in Ihrem Namen oder wichtigen Dateien, jeden Schritt zu prüfen. Endgültiges Löschen von Dateien verlangt laut Anthropic immer Ihre ausdrückliche Zustimmung. Die sichere Einrichtung beschreibt der Beitrag Claude Cowork und Claude Code. Wenn Sie Ihre IT insgesamt prüfen lassen wollen, ist der Sicherheits-Check unserer IT-Sicherheit für KMU ein guter Anfang.

Wann ist eine eigene Lösung sinnvoller als das Abo?

Wenn die Verarbeitung in der EU stattfinden muss, wenn sensible Daten im Spiel sind oder wenn nur ein klar begrenzter Ausschnitt Ihrer Daten an ein Modell gehen soll, ist eine eigene Anbindung über die API oft die sauberere Lösung. Sie legt fest, welche Felder übertragen werden, entfernt Namen vorab und protokolliert jeden Aufruf. Wie Unterlagen dabei gezielt durchsucht werden, erklärt der Ratgeber RAG-Pipeline erklärt. Astra IT Solutions baut solche Abläufe als KI-Automatisierung, auf Wunsch über EU-Regionen eines Cloud-Anbieters.

Nächster Schritt: Einsatz und Datenfluss klären

Halten Sie zuerst fest, für welche Aufgaben Ihr Team Claude nutzen soll und welche Daten dabei anfallen. Der KI-Potenzial-Check hilft beim Sortieren. Wenn Sie bei der Einrichtung von Team, Microsoft 365 oder einer eigenen Anbindung Unterstützung brauchen, schreiben Sie uns über das Anfrageformular. Die Rechtsprüfung selbst übernimmt Ihre Datenschutzberatung.

Häufige Fragen zum Thema

Ist Claude DSGVO-konform?

Ein Werkzeug allein ist nie pauschal DSGVO-konform, es kommt auf den Einsatz an. Anthropic bietet für Team, Enterprise und API einen Auftragsverarbeitungsvertrag mit Standardvertragsklauseln und trainiert dort standardmäßig nicht mit Ihren Daten. Speicherung in den USA, Verzeichnis, Information der Kunden und eine interne Richtlinie müssen Sie selbst regeln.

Wo finde ich den AV-Vertrag von Anthropic?

Laut Anthropic ist der Data Processing Addendum mit Standardvertragsklauseln automatisch Teil der Commercial Terms. Mit dem Abschluss eines Team- oder Enterprise-Tarifs oder der API akzeptieren Sie ihn. Laden Sie ihn im Privacy Center von Anthropic herunter und legen Sie ihn zu Ihren Unterlagen.

Kann ich Claude mit Datenspeicherung in der EU nutzen?

Direkt bei Anthropic nicht, die Daten werden in den USA gespeichert. Über regionale Endpunkte von Amazon Bedrock oder Google Cloud lässt sich Claude in Europa verarbeiten, laut Anthropic mit 10 % Aufschlag. Dann gelten die Bedingungen des Cloud-Anbieters. Für den Chat-Tarif Team gibt es diese Möglichkeit nicht.

Darf ich Kundendaten in Claude Pro eingeben?

Davon raten wir ab. Pro ist ein privater Tarif mit Verbraucherbedingungen, ein Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO ist dort nicht vorgesehen. Für Kundendaten eignen sich Team, Enterprise oder die API.

Wie lange speichert Anthropic Chats im Team-Tarif?

Chats bleiben gespeichert, bis Sie sie löschen. Danach verschwinden sie sofort aus dem Verlauf und laut Anthropic innerhalb von 30 Tagen aus den Systemen. Ausnahmen gelten bei gemeldeten Verstößen gegen die Nutzungsrichtlinie und bei gesetzlichen Pflichten. Eigene Fristen gibt es erst im Enterprise-Tarif.

Quellen

Stand der Angaben: 20. Oktober 2026. Gesetze und Förderbedingungen ändern sich; maßgeblich sind die verlinkten Originalquellen.

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