Handwerkersoftware auswählen: 12 Kriterien für Betriebe in Österreich
Gute Handwerkersoftware erkennt man daran, dass das Protokoll von der Baustelle ohne Abtippen zur Rechnung wird. Für Betriebe in Österreich kommen drei Pflichtfragen dazu: Brauchen Sie wegen Bar- oder Kartenzahlungen eine Signatur nach der Registrierkassensicherheitsverordnung, können Sie Rechnungen an Bundesdienststellen elektronisch einbringen, und bekommen Sie Ihre Daten bei einem Wechsel vollständig heraus. Dieser Artikel ordnet zwölf Kriterien nach dem Ablauf im Betrieb. Wir entwickeln mit Astra Craft Pro selbst eine Handwerkersoftware; die Kriterien gelten für jedes Produkt.
Zuerst: Welches Problem soll die Software lösen?
Die meisten Betriebe suchen Software, weil eines von drei Dingen hakt: Protokolle kommen spät oder unleserlich ins Büro, Rechnungen gehen Wochen nach der Leistung hinaus, oder niemand weiß, welcher Monteur wann wo ist. Schreiben Sie vor der ersten Demo auf, welcher Punkt bei Ihnen am meisten kostet. Der Büroaufwand-Rechner hilft, das mit Ihren eigenen Zahlen in Stunden und Euro zu fassen.
Die 12 Kriterien
Auf der Baustelle
- Protokoll am Handy: Zeit, Material, Fotos und Unterschrift direkt beim Kunden, ohne Laptop. Testen Sie das in der Demo selbst mit einem echten Auftrag der letzten Woche.
- Schlechter Empfang: Keller und Rohbauten haben oft kein Netz. Fragen Sie, was passiert, wenn die Verbindung während des Protokolls abbricht.
- Protokoll wird Rechnung: Positionen aus dem Protokoll sollen ohne Abtippen in die Rechnung übernommen werden, einzeln oder mehrere Protokolle gesammelt.
- Material aus einem Katalog: Antippen statt Freitext macht Positionen abrechenbar und verhindert vergessenes Material.
Im Büro
- Angebot, Auftrag und Rechnung in einem System: Ein angenommenes Angebot sollte ohne Neuerfassung zur Rechnung werden.
- Mahnwesen mit Stufen: Zahlungsstatus sehen, Mahnungen mit Gebühren und Zinsen erzeugen, ohne eigene Vorlage in Word.
- Kalender und Einteilung: Aufträge Monteuren zuweisen, verschieben und als erledigt markieren, für alle sichtbar.
- Export für die Steuerberatung: Rechnungen und Zahlungen in einem Format, das Ihre Kanzlei verarbeiten kann. Fragen Sie dort vorher nach, welches Format gewünscht ist.
Pflichten in Österreich
- RKSV, wenn Sie Barumsätze haben: Die Registrierkassenpflicht greift ab 15.000 € Jahresumsatz je Betrieb, wenn die Barumsätze 7.500 € im Jahr übersteigen. Als Barzahlung gilt auch die Zahlung mit Bankomat- oder Kreditkarte (§ 131b BAO). Reine Überweisungen auf Rechnung zählen nicht dazu. Kassieren Ihre Monteure vor Ort, braucht die Software eine Signatur nach der RKSV, oder Sie verwenden eine eigene Registrierkasse.
- Barumsätze beim Kunden: Für Leistungen außerhalb der Betriebsstätte erlaubt die Barumsatzverordnung, vor Ort einen händischen Beleg auszustellen und den Umsatz nach der Rückkehr ohne unnötigen Aufschub einzeln in der Registrierkasse nachzuerfassen; die Durchschrift ist aufzubewahren. Eine Software, die direkt am Handy signiert, erspart diesen Zwischenschritt.
- E-Rechnung an den Bund: Bundesdienststellen nehmen seit 1. Jänner 2014 nur strukturierte elektronische Rechnungen an, etwa im Format ebInterface über das Unternehmensserviceportal oder über PEPPOL. Ein PDF reicht nicht. Wenn Sie für Bundesdienststellen arbeiten, fragen Sie nach diesem Export.
- Ihre Daten gehören Ihnen: vollständiger Export von Kunden, Rechnungen und Protokollen, auch nach einer Kündigung. Belege müssen sieben Jahre aufbewahrt werden, das muss auch nach einem Wechsel des Programms möglich bleiben.
Kosten richtig vergleichen
Monatspreise sind nur vergleichbar, wenn dieselben Dinge gezählt werden: Wie viele Nutzer sind enthalten, kostet die RKSV-Signatur extra, was kostet die Einrichtung samt Datenübernahme, und gibt es eine Mindestlaufzeit? Ein Beispiel aus unserer eigenen Preisliste: Astra Craft Pro kostet im Paket Professional 119 € pro Monat netto für bis zu acht Nutzer, dazu einmalig 299 € Einrichtung mit Datenimport und Schulung. Die RKSV-Signatur über Fiskaly kommt mit 9 € pro Monat dazu. Legen Sie diese Angaben für alle Anbieter nebeneinander, bevor Sie Funktionen vergleichen.
| Standardsoftware vom Markt | Branchenlösung mit Anpassung | Individualentwicklung | |
|---|---|---|---|
| Start | Sofort, Einrichtung selbst | Nach Einrichtung und Datenübernahme | Wochen bis Monate |
| Kosten | Monatlich je Nutzer | Monatlich plus Einrichtung | Einmalig hoch, danach Wartung |
| Anpassung an Ihre Abläufe | Gering, Sie passen sich an | Vorlagen und Kategorien | Vollständig |
| Risiko | Funktionen fehlen, die Sie brauchen | Grenzen bei Sonderwünschen | Projektrisiko, braucht klare Anforderungen |
So läuft ein aussagekräftiger Test
- Spielen Sie einen echten Auftrag der letzten Woche von der Anfrage bis zur bezahlten Rechnung durch.
- Lassen Sie einen Monteur das Protokoll am eigenen Handy ausfüllen, nicht nur den Chef am Laptop.
- Klären Sie die Datenübernahme schriftlich: welche Daten, in welchem Format, wer macht es, was kostet es.
- Fragen Sie nach einem Betrieb aus Ihrem Gewerk, der die Software im Alltag nutzt.
- Klären Sie den Ausstieg: Kündigungsfrist, Exportformat und was mit den Daten danach passiert.
Astra Craft Pro ist in einem Wiener Installationsbetrieb entstanden und dort im täglichen Einsatz. In einer Demo zeigen wir eine Instanz mit Beispieldaten, auf Wunsch mit einem Ihrer Abläufe als Beispiel. Danach bekommen Sie eine schriftliche Einschätzung, ob und welches Paket passt.
Häufige Fragen zum Thema
Brauche ich als Handwerker eine Registrierkasse?
Nur wenn Ihr Betrieb mehr als 15.000 € Jahresumsatz macht und davon mehr als 7.500 € bar, wobei Bankomat- und Kreditkartenzahlungen als bar gelten (§ 131b BAO). Wer ausschließlich auf Rechnung per Überweisung kassiert, fällt nicht darunter. Einen Beleg müssen Sie bei Barzahlung aber ab dem ersten Euro ausstellen.
Reicht ein Rechnungsprogramm mit PDF-Rechnungen?
Für private und gewerbliche Kunden meist ja. Bundesdienststellen nehmen aber nur strukturierte e-Rechnungen an, und bei Barumsätzen über den Grenzen braucht es eine RKSV-konforme Erfassung.
Wie lange dauert die Umstellung auf eine Handwerkersoftware?
Wie lange die Einrichtung samt Datenübernahme dauert, hängt vor allem von der Datenmenge ab. Länger braucht meist die Umgewöhnung im Team. Bewährt hat sich, mit einem Monteur und einem Auftragstyp zu starten und dann zu erweitern.
Können wir Daten aus unserem bisherigen Programm übernehmen?
Bei Astra Craft Pro gibt es einen Import und Export für KingBill. Daten aus anderen Programmen übernehmen wir per CSV oder Excel; der Aufwand hängt von der Datenmenge ab. Fragen Sie jeden Anbieter nach seinem Weg.
Was kostet Handwerkersoftware?
Je nach Anbieter, Nutzerzahl und Funktionen. Astra Craft Pro beginnt bei 49 € pro Monat netto für bis zu drei Nutzer, Professional kostet 119 € für bis zu acht Nutzer, dazu kommt eine einmalige Einrichtung. Vergleichen Sie immer Gesamtkosten inklusive Einrichtung und Zusatzmodulen.
Quellen
Stand der Angaben: 19. Oktober 2026. Gesetze und Förderbedingungen ändern sich; maßgeblich sind die verlinkten Originalquellen.
- RIS: Bundesabgabenordnung § 131b (Registrierkassenpflicht)
- Unternehmensserviceportal: Registrierkassenpflicht und Belegerteilungspflicht
- BMF: Erlass zur Einzelaufzeichnungs-, Registrierkassen- und Belegerteilungspflicht (Abschnitt 6.7, mobile Umsätze)
- Unternehmensserviceportal: e-Rechnung an die öffentliche Verwaltung
- e-Rechnung.gv.at: Voraussetzungen zur Einbringung