KI & Automatisierung

KI-Agenten erstellen: Selbst bauen oder bauen lassen?

Arda Özkan, Software-Architekt8 Min. Lesezeit
Symbolbild: abstrakte Visualisierung künstlicher IntelligenzSymbolbild

Einfache KI-Agenten können Sie heute ohne Programmierung selbst erstellen, etwa mit Claude Cowork, ChatGPT Work oder Mistral Vibe: Sie beschreiben die Aufgabe, verbinden Apps wie E-Mail oder Ablage und lassen den Agenten wiederkehrend arbeiten. Bauen lassen lohnt sich, wenn der Agent auf Ihre eigenen Programme zugreifen, viele Fälle verlässlich gleich behandeln oder Kunden direkt antworten soll; dann braucht es Freigaben, Protokoll und Fehlerbehandlung. Bei Astra IT Solutions beginnen KI-Automatisierungen bei etwa 5.000 € netto, Agenten mit mehreren Schritten bei etwa 15.000 €.

Was ist ein KI-Agent, kurz erklärt?

Ein KI-Agent ist ein Programm, das mit Hilfe eines Sprachmodells eine Aufgabe in mehreren Schritten selbst plant und dabei Werkzeuge benutzt: E-Mails lesen, Dateien öffnen, in einer Datenbank nachsehen, einen Entwurf anlegen. Ein Chatbot antwortet auf eine Frage, ein Agent erledigt einen Auftrag. Den Unterschied im Detail erklärt Chatbot oder KI-Agent?, typische Einsatzfelder im Betrieb beschreibt KI-Agenten im Unternehmen.

Für den Betrieb ist eine Unterscheidung wichtiger als die Technik: Arbeitet der Agent für eine Person an ihrem Arbeitsplatz, oder läuft er als Teil eines Ablaufs für den ganzen Betrieb? Im ersten Fall können Sie meist selbst anfangen, im zweiten brauchen Sie Regeln, Tests und jemanden, der dafür verantwortlich ist.

KI-Agenten-Beispiele aus dem Betrieb

AgentWas er tutWo ein Mensch freigibt
Posteingang sortierenLiest neue E-Mails, ordnet sie Kategorien zu, entwirft Antworten auf StandardfragenVor dem Versand jeder Antwort
RechnungseingangLiest PDF-Rechnungen, erkennt Lieferant, Beträge und Steuersätze, legt einen Buchungsvorschlag an. Mehr in Eingangsrechnungen automatisch auslesenVor der Buchung
AngebotsvorbereitungNimmt eine Anfrage, sucht passende Positionen aus der Preisliste, erstellt einen EntwurfPreise und Versand
WochenberichtSammelt Protokolle und Stundenlisten, fasst offene Punkte zusammenVor der Weitergabe
WissensfragenBeantwortet Fragen aus internen Dokumenten und nennt die Quelle. Technik dahinter: RAG-Pipeline erklärtBei unsicheren Antworten geht die Frage an eine Fachperson
KundenanfragenLiest Anfragen von Website oder E-Mail, fragt fehlende Angaben nach, bereitet den Auftrag vor. Siehe Kundenanfragen mit KI vorbereitenVor jeder Zusage an Kunden

Mit welchen Werkzeugen kann man KI-Agenten selbst erstellen?

Claude Cowork und Claude Code

Claude Cowork ist laut Anthropic ein Agent für Wissensarbeit auf dem Desktop, mit derselben Agenten-Architektur wie Claude Code, aber ohne Terminal. Cowork liest und schreibt lokale Dateien, nutzt verbundene Apps wie Slack oder Google Drive, führt Aktionen im Browser aus und erstellt Excel-Tabellen mit funktionierenden Formeln, PowerPoint-Präsentationen und Dokumente. Aufgaben lassen sich planen und in Projekten bündeln. Anthropic weist selbst darauf hin, dass Agenten mit Dateizugriff und Internetzugang besondere Risiken haben; geben Sie Cowork deshalb nur die Ordner und Apps frei, die eine Aufgabe braucht. Claude Code ist der Agent fürs Programmieren und ab dem Pro-Tarif enthalten. Was beide im Büroalltag leisten, beschreibt Claude Cowork und Claude Code.

ChatGPT Work

In ChatGPT gibt es neben dem Chat den Bereich „Work“, laut OpenAI ein Agent für längere Aufgaben in mehreren Schritten, der Dokumente, Tabellen, Präsentationen und Berichte erstellt. Aufgaben können einmal, nach Zeitplan oder bei einem Ereignis laufen; unterstützt sind etwa neue Gmail-Nachrichten, neue Nachrichten in einem Slack-Kanal und Aktivitäten auf GitHub, für berechtigte Nutzer von Plus, Pro, Business und Enterprise. Wichtige Aktionen geben Sie vorher frei. In Firmentarifen legen Administratoren fest, wer Work nutzen darf. Die Modelle dahinter erklärt GPT-6 im Unternehmen.

Mistral Vibe

Mistral beschreibt Vibe, früher Le Chat, als Agent für lange Aufgaben. Abläufe lassen sich als wiederverwendbare Agenten speichern oder durch einen Auslöser starten, mit Kontrollpunkten für Menschen, wo nötig. Vibe verbindet sich laut Mistral mit über 100 Werkzeugen und unterstützt das offene Protokoll MCP. Daten speichert Mistral standardmäßig in der EU. Mehr zu europäischen Anbietern in ChatGPT-Alternativen aus Europa.

Workflow-Werkzeuge wie n8n oder Langdock

Wer Abläufe mit festen Schritten und KI an einzelnen Stellen bauen will, nutzt Workflow-Werkzeuge. n8n ist verbreitet und lässt sich auch selbst betreiben; wann das reicht und wann nicht, zeigt n8n oder individuelle Automatisierung. Langdock aus Berlin enthält im Business-Tarif laut Preisseite 2.500 Ablauf-Ausführungen pro Monat; größere Pakete kosten 539 € je Arbeitsbereich und Monat ohne Umsatzsteuer. Ob Ihr Google- oder Microsoft-Tarif vergleichbare Agenten-Funktionen enthält, prüfen Sie beim jeweiligen Anbieter; diesen Teil haben wir für diesen Beitrag nicht verglichen.

Selbst bauen oder bauen lassen?

KriteriumSelbst mit Cowork, Work oder VibeBauen lassen
Zugriff auf ProgrammeApps mit fertiger Verbindung, lokale DateienEigene Schnittstellen, Datenbanken, Branchensoftware, Buchhaltung
Wer nutzt esEine Person an ihrem ArbeitsplatzMehrere Personen, der ganze Betrieb oder Kunden
GleichförmigkeitErgebnisse können von Lauf zu Lauf abweichenFeste Regeln, Prüfungen und Tests mit echten Fällen
Freigabe und ProtokollIm Werkzeug, je nach TarifNach Ihren Vorgaben, mit Protokoll jedes Schritts
KostenTarif je Person, meist 20 bis 25 $ im MonatEinmaliges Projekt plus Modellkosten nach Verbrauch
WartungSie selbstVertraglich geregelt

Unsere Faustregel: Selbst erstellen, solange der Agent Ihnen persönlich Arbeit abnimmt und Sie jedes Ergebnis ansehen. Bauen lassen, sobald andere sich auf das Ergebnis verlassen, etwa die Buchhaltung, Kunden oder ein Lieferant, oder sobald der Agent etwas tut, das sich nicht einfach rückgängig machen lässt.

Was ein gebauter Agent zusätzlich braucht

  • Freigabe durch einen Menschen an den Stellen, an denen etwas nach außen geht oder Geld bewegt wird.
  • Protokoll: welche Eingabe, welches Ergebnis, wer hat freigegeben.
  • Grenzen: Was darf der Agent nicht, etwa Preise ändern, Kunden löschen, Zahlungen auslösen.
  • Tests mit echten Fällen, auch mit schwierigen: unleserliche Rechnungen, unklare Anfragen, fehlende Angaben.
  • Fehlerfall: Was passiert, wenn das Modell nicht antwortet oder unsicher ist?
  • Kostenlimit, damit eine Schleife nicht unbemerkt teuer wird.
  • Datenschutz: Vertrag zur Auftragsverarbeitung, Speicherort, Trainingseinstellungen.
  • Modellwahl je Schritt: ein schnelles, günstiges Modell zum Sortieren, ein stärkeres für schwierige Texte.

Zur Modellwahl ein Beispiel mit Claude, Preise laut Anthropic je Million Tokens in US-Dollar: Haiku 5.5 ab 0,10 $ Eingabe und ab 0,50 $ Ausgabe, Sonnet 5.5 2 $ und 10 $, Opus 5.5 4 $ und 20 $. Beispielrechnung mit offenen Annahmen: 1.000 Rechnungen im Monat, je Rechnung etwa 5.000 Tokens Eingabe und 500 Tokens Ausgabe. Mit Sonnet 5.5 sind das 5 Millionen Eingabe-Tokens für 10 $ und 0,5 Millionen Ausgabe-Tokens für 5 $, zusammen etwa 15 $ im Monat. Mit Haiku 5.5 wären es ab etwa 0,75 $. Die tatsächliche Zahl der Tokens hängt von Dokumenten und Anweisungen ab und wird im Test gemessen. Alle Tarife und Modellpreise erklärt Was kostet Claude?.

Werden Sie mit einem eigenen Agenten zum Anbieter nach dem AI Act?

Das kann passieren. Die KI-Servicestelle der RTR hält fest: Ein Unternehmen, das sein eigenes KI-System entwickelt und selbst in Betrieb nimmt, ist zugleich Anbieter und Betreiber. Außerhalb der Hochrisiko-Bereiche, zu denen etwa das Sichten von Bewerbungen gehört, sind die zusätzlichen Pflichten überschaubar. Spricht der Agent aber direkt mit Kunden, müssen diese laut Art. 50 Abs. 1 AI Act erkennen können, dass sie mit einer KI sprechen. Laut RTR trifft diese Gestaltungspflicht den Anbieter; setzen Sie einen zugekauften Chatbot nur ein, sollten Sie darauf achten, dass der Hinweis sichtbar bleibt. Den Überblick gibt AI Act für KMU. Im Einzelfall klären Sie die Rolle mit Ihrer Rechtsberatung.

Wie wir bei Astra IT Solutions Agenten bauen

Wir beginnen mit einer Machbarkeitsanalyse ab 1.500 €: Wir testen den Ablauf mit Ihren echten Dokumenten und sagen danach, wie verlässlich er läuft und was die Umsetzung kostet. Danach bekommen Sie einen Festpreis. Agenten mit mehreren Schritten, die mehrere Systeme verbinden und Rückfragen stellen, beginnen bei etwa 15.000 €, jeweils mit Freigabe durch einen Menschen. Erfahrung damit haben wir aus einem Projekt mit KI-Agenten für Onboarding-Prozesse im medizinischen Umfeld: Agenten prüfen Unterlagen, lesen Daten aus und beantworten Fragen aus internen Richtlinien mit Quellenangabe; unsichere Fälle gehen an Fachpersonal. Den Auftraggeber nennen wir aus Vertraulichkeitsgründen nicht.

Das Modell wählen wir je Aufgabe, Datenschutz und Kosten. Claude, Modelle von OpenAI und Mistral sind Optionen nebeneinander; wir sind mit keinem Anbieter Partner. Mehr dazu auf der Seite KI & Prozessautomatisierung. Wenn Sie noch nicht wissen, welcher Ablauf sich zuerst lohnt, beginnen Sie mit der Digitalisierungsberatung.

Nächster Schritt: den richtigen ersten Agenten finden

Der KI-Potenzial-Check zeigt, welche Abläufe sich für einen Agenten eignen. Ob sich das Bauen lassen rechnet, prüfen Sie mit eigenen Zahlen im ROI-Rechner für Automatisierung. Wenn Sie einen konkreten Ablauf im Kopf haben, beschreiben Sie ihn in drei Sätzen über das Anfrageformular; Sie bekommen an Werktagen innerhalb von 24 Stunden eine schriftliche Einschätzung.

Häufige Fragen zum Thema

Kann ich einen KI-Agenten ohne Programmierkenntnisse erstellen?

Ja, für Aufgaben an Ihrem eigenen Arbeitsplatz. Claude Cowork, ChatGPT Work und Mistral Vibe erlauben es, Aufgaben zu beschreiben, Apps zu verbinden und Aufgaben zeitgesteuert laufen zu lassen. Für Abläufe, auf die sich andere verlassen, oder für Anbindungen an eigene Programme ist eine gebaute Lösung mit Freigaben und Tests sinnvoller.

Wie erstelle ich einen KI-Agenten mit Claude?

Ohne Programmierung mit Claude Cowork auf dem Desktop: Aufgabe beschreiben, nur die nötigen Ordner und Apps freigeben, Ergebnis prüfen und die Aufgabe bei Bedarf planen. Für Entwickler gibt es Claude Code und die Programmierschnittstelle, mit der sich Agenten in eigene Software einbauen lassen.

Was kostet es, einen KI-Agenten bauen zu lassen?

Bei Astra IT Solutions beginnen KI-Automatisierungen bei etwa 5.000 € netto, Agenten mit mehreren Schritten bei etwa 15.000 €. Vorab gibt es eine Machbarkeitsanalyse ab 1.500 € mit Ihren echten Dokumenten. Dazu kommen laufende Modellkosten nach Verbrauch, die von Menge und Modell abhängen. In der Beispielrechnung dieses Beitrags sind es für 1.000 Rechnungen im Monat mit Claude Sonnet 5.5 etwa 15 US-Dollar.

Wie verlässlich arbeiten KI-Agenten?

Das hängt von der Aufgabe ab. Sprachmodelle können Fehler machen, die überzeugend aussehen. Deshalb sollte ein Mensch freigeben, bevor etwas nach außen geht oder Geld bewegt wird, und jeder Schritt sollte protokolliert werden. Wie verlässlich ein bestimmter Ablauf läuft, zeigt ein Test mit echten Fällen.

Quellen

Stand der Angaben: 20. Oktober 2026. Gesetze und Förderbedingungen ändern sich; maßgeblich sind die verlinkten Originalquellen.

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