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Tischlerei-Software: CAD, Kalkulation oder ERP?

Arda Özkan, Software-Architekt8 Min. Lesezeit
Symbolbild: Kundin bezahlt mit dem Handy an einer Ladentheke mit KassensystemSymbolbild

Tischlerei-Software besteht meist aus drei Teilen: CAD für Planung und Konstruktion, Kalkulation mit Stücklisten für Angebot und Arbeitsvorbereitung und ERP für Aufträge, Einkauf, Zeiten und Rechnungen. Fertigt Ihre Tischlerei selbst mit CNC, lohnt ein durchgängiges System, in dem Planungsdaten ohne zweite Eingabe bis zur Maschine laufen, wie es etwa CAD+T aus Österreich oder OSD aus Deutschland anbieten. Arbeitet sie vor allem auf Montage, im Service und mit zugekauften Teilen, reicht oft eine Handwerkersoftware ohne CAD, wie Astra Craft Pro ab 49 € pro Monat netto.

CAD, Kalkulation, ERP: Was ist was?

BausteinWofürTypische FunktionenBraucht es, wenn
CADPlanen, konstruieren, präsentieren2D und 3D, Raumplanung, Visualisierung für Kunden, Stücklisten aus der KonstruktionSie Möbel selbst planen und dem Kunden zeigen
CAMMaschinen ansteuernCNC-Programme aus der Konstruktion, Anbindung an Plattensäge und BearbeitungszentrumSie eine CNC-Maschine haben
KalkulationPreis aus Material und ZeitStücklisten, Materialpreise, Kanten, Beschläge, Arbeitszeiten je ArbeitsgangSie viele individuelle Möbel anbieten
ERPBetrieb steuernKunden, Aufträge, Einkauf, Lager, Zeiten, Rechnungen, offene PostenMehr als ein paar Aufträge parallel laufen
HandwerkersoftwareAußendienst und AbrechnungAngebot, Termin, Protokoll mit Fotos, Rechnung, MahnungMontage, Service und Reparatur einen großen Teil ausmachen

Viele Tischlereien kaufen zuerst CAD, weil das sichtbar ist und beim Kunden Eindruck macht. Das meiste Geld geht aber oft an anderer Stelle verloren: bei Angeboten, die mit zu wenig Zeit kalkuliert sind, bei Stunden, die auf Montage nicht erfasst werden, und bei Rechnungen, die Wochen nach dem Einbau hinausgehen. Bevor Sie ein Programm kaufen, sollte klar sein, welches dieser Probleme bei Ihnen das größte ist. Der Digitalisierungs-Check hilft, das in wenigen Minuten einzuordnen.

Brauchen Sie ein durchgängiges System?

  • Fertigen Sie selbst mit CNC oder lassen Sie Zuschnitt und Kanten beim Händler machen?
  • Wie viele Aufträge sind Einzelstücke, wie viele Varianten eines Grundmodells?
  • Wer plant: die Chefin am Abend, ein eigener Planer oder der Kunde mit dem Architekten?
  • Wie viel Ihrer Zeit verbringen Mitarbeiter in der Werkstatt, wie viel auf Montage beim Kunden?
  • Bestellen Sie Platten und Beschläge über den Onlineshop des Händlers oder telefonisch?

Je mehr Antworten auf eigene Fertigung, Varianten und CNC zeigen, desto eher lohnt ein durchgängiges System aus CAD, Kalkulation und ERP. Dann entsteht ein Möbel aus einer Datenbasis vom Entwurf bis zum Maschinenprogramm. Je mehr Zeit auf Montage, Service und Reparatur fällt, desto wichtiger wird der Außendienst: Protokoll, Fotos, Unterschrift und eine Rechnung ohne Abtippen.

Welche Tischlerei-Software gibt es?

Zwei Beispiele für durchgängige Systeme, nach den Angaben auf den Websites der Anbieter, abgerufen am 20. Oktober 2026. CAD+T wurde laut eigener Website 1990 in Österreich gegründet und bietet Planung und Visualisierung, parametrische Konstruktion auf AutoCAD und Inventor, CAM- und CNC-Fertigung und ERP-Betriebssteuerung für Tischlereien, Laden- und Messebau und Möbelfertigung; die Einführung erfolgt laut Anbieter modular. OS Datensysteme (OSD) aus Ettlingen in Deutschland beschreibt eine Branchensoftware für Schreiner und Tischler von CAD über Kalkulation, Angebot und Rechnung bis zu ERP/PPS und CNC-Steuerung, mit mobilen Web-Anwendungen ohne App-Installation und Anbindung an Lieferantenshops. Preise nennen beide auf ihren Seiten nicht; CAD+T schreibt, die Investition richte sich nach Modulen und Betriebsgröße.

Ein nützlicher Hinweis für Österreich: Der Holzhändler J. u. A. Frischeis (JAF) listet auf seiner Website Tischler-Softwareanbieter mit standardisierter Schnittstelle zum Artikelstamm, mit Preis- und Lagerauskunft und Bestellung direkt aus dem System. Genannt werden dort unter anderem CAD+T, EDV Hausleitner, Orgacalc, OS Datensysteme, Zentro und die ERP-Software T4. Wenn Sie bei JAF bestellen, ist diese Liste ein guter Ausgangspunkt für die Auswahl.

Stücklisten und Zuschnitt: Wo Excel aufhört

Viele kleinere Tischlereien kalkulieren in Excel: Platten, Kanten, Beschläge, Stunden je Arbeitsgang, ein Aufschlag. Das funktioniert, solange eine Person die Datei pflegt und die Materialpreise aktuell hält. Es kippt, wenn Preise beim Händler steigen und niemand die Liste nachzieht, oder wenn die Stückliste aus der Planung händisch in die Kalkulation übertragen wird. Spätestens dann lohnt ein System, das Stücklisten aus der Konstruktion übernimmt und Preise vom Händler bezieht. Typische Anzeichen und Wege beschreibt der Ratgeber Excel ablösen mit einer eigenen Anwendung.

Montage und Service: der oft vergessene Teil

Eine Küche ist in der Werkstatt fertig, verdient wird beim Einbau. Dort entstehen die Stunden, die in der Kalkulation fehlen, die Zusatzleistungen, die der Kunde vor Ort wünscht, und die Mängel, die später diskutiert werden. CAD-Systeme decken diesen Teil oft nur am Rand ab. Eine Handwerkersoftware ist genau dafür gebaut: Termin im Team-Kalender, Protokoll am Handy mit Zeit, Material, Fotos und Unterschrift, Mehrarbeit mit Zustimmung des Kunden und daraus die Rechnung. Wie Sie Mehrkosten rechtlich sauber melden, beschreibt der Ratgeber Kostenvoranschlag im Handwerk.

Dasselbe gilt für das Aufmaß beim Kunden vor der Planung. Nischen, schiefe Wände, Steckdosen und Anschlüsse gehören mit Maß und Foto in den Auftrag, bevor jemand zu zeichnen beginnt. Ein Foto von der Wand mit eingezeichnetem Maß erspart später manche Diskussion, wenn ein Korpus nicht passt. Ob dieses Aufmaß im CAD, in der Handwerkersoftware oder auf Papier entsteht, ist zweitrangig. Wichtig ist, dass Planung, Werkstatt und Montage dieselbe Fassung sehen und niemand mit einem alten Zettel arbeitet.

Wo Astra Craft Pro in die Tischlerei passt und wo nicht

Astra Craft Pro ist eine Handwerkersoftware, kein Tischlerprogramm mit CAD. Sie ist bei Wiener Installations- und Elektrobetrieben im täglichen Einsatz. Die Struktur passt für Tischlereien mit viel Montage, Service und Reparatur, etwa für Fenster- und Türenservice, Einbau zugekaufter Möbel oder Innenausbau beim Kunden.

  • Passt: Angebote mit Kapiteln und optionalen Positionen, etwa Fronten in zwei Ausführungen, mit Gültigkeit und einem Klick zur Rechnung.
  • Passt: Protokoll auf Montage mit Zeit, Material, Fotos und Unterschrift, auch ohne Netz.
  • Passt: Team-Kalender für Montagepartien, Zeiterfassung mit Urlaub, Rechnungen mit RKSV-Signatur und drei Mahnstufen.
  • Passt nicht: CAD, Raumplanung, Visualisierung, Stücklisten aus der Konstruktion, Zuschnittoptimierung, CNC-Anbindung.
  • Passt nicht ohne Erweiterung: Schnittstelle zum Holzhändler. Eine Lieferanten-Schnittstelle bauen wir als Erweiterung ab 690 € zum Festpreis.
  • Passt nicht: e-Rechnungen im ebInterface-Format an Bundesdienststellen.

CAD und Handwerkersoftware kombinieren?

Eine häufige Lösung in kleineren Betrieben: ein CAD für die Planung, eine Handwerkersoftware für Angebot, Montage und Rechnung. Das funktioniert, solange klar ist, wo welche Daten entstehen. Das Risiko ist die Doppelerfassung: Die Stückliste liegt im CAD, der Preis im Angebot, und bei jeder Änderung muss jemand beide Stellen nachziehen. Bietet Ihr CAD einen Export der Stückliste, lässt sich die Übernahme ins Angebot oft automatisieren. Ob sich das lohnt und was es kostet, prüfen wir als Individualsoftware oder Erweiterung zum Festpreis. Wann ein eigenes ERP sinnvoll ist, beschreibt der Ratgeber ERP-System für KMU, und wie Daten an die Buchhaltung gehen, der Ratgeber zur API-Integration mit der Buchhaltung.

Kosten richtig vergleichen

Durchgängige Systeme mit CAD und CAM werden meist nach Modulen und Arbeitsplätzen angeboten, dazu kommen Schulung und Einrichtung der Maschinen. Vergleichen Sie deshalb nicht Listenpreise, sondern Gesamtkosten über drei bis fünf Jahre, inklusive Wartung. Ein Beispiel aus unserer eigenen Preisliste, netto: Astra Craft Pro Professional für bis zu acht Nutzer kostet bei Jahreszahlung 1.190 € im Jahr, dazu einmalig 299 € Einrichtung. Für bis zu drei Nutzer reicht Starter um 49 € pro Monat. Ihre Angebote legen Sie im Software-Kostenvergleich nebeneinander, Ihren heutigen Büroaufwand rechnet der Büroaufwand-Rechner.

Rechnen Sie bei jedem System auch die Einführung mit. Ein CAD mit CNC-Anbindung braucht Schulung, eine Bibliothek mit Ihren Materialien und Beschlägen und Zeit, bis die Maschine sauber angebunden ist. Eine Handwerkersoftware ist schneller eingerichtet, braucht aber Ihren Leistungskatalog und Ihre Vorlagen. Fragen Sie jeden Anbieter, wer die Einrichtung macht, wie lange sie dauert und was passiert, wenn Sie später wechseln wollen. Lassen sich Kunden, Aufträge und Artikel dann vollständig exportieren, ist das ein gutes Zeichen.

Ihr nächster Schritt

Schreiben Sie auf, wie viel Ihrer Arbeitszeit auf Planung, Werkstatt und Montage fällt, und schicken Sie das mit einem typischen Angebot über das Anfrageformular. Sie bekommen eine schriftliche Einschätzung, ob eine Handwerkersoftware wie Craft Pro reicht, ein durchgängiges Tischlersystem besser passt oder beides zusammen mit einer Schnittstelle. Was wir für Handwerksbetriebe sonst bauen, steht auf der Seite Handwerk und Installateure.

Häufige Fragen zum Thema

Brauche ich als Tischler ein CAD-Programm?

Wenn Sie Möbel selbst planen, dem Kunden zeigen oder mit CNC fertigen, ja. Bauen Sie vor allem zugekaufte Teile ein, machen Service oder Reparaturen, brauchen Sie eher eine Software für Angebot, Montage und Rechnung.

Was ist der Unterschied zwischen ERP und Kalkulation in der Tischlerei?

Die Kalkulation ermittelt den Preis eines Auftrags aus Material, Stücklisten und Arbeitszeit. Das ERP steuert den ganzen Betrieb: Kunden, Aufträge, Einkauf, Lager, Zeiten und Rechnungen. In durchgängigen Tischlersystemen hängen beide zusammen.

Kann Astra Craft Pro CAD oder Stücklisten?

Nein. Astra Craft Pro hat kein CAD, keine Stücklisten aus der Konstruktion und keine CNC-Anbindung. Es deckt Angebote, Montageprotokolle mit Fotos, Kalender, Zeiterfassung und Rechnungen ab und passt für Tischlereien mit viel Montage und Service.

Welche Tischler-Software hat eine Schnittstelle zum Holzhändler?

Das hängt vom Händler ab. Der österreichische Holzhändler J. u. A. Frischeis listet auf seiner Website Anbieter mit standardisierter Schnittstelle, darunter CAD+T, EDV Hausleitner, Orgacalc, OS Datensysteme, Zentro und T4. Fragen Sie Ihren Händler nach seiner aktuellen Liste.

Quellen

Stand der Angaben: 20. Oktober 2026. Gesetze und Förderbedingungen ändern sich; maßgeblich sind die verlinkten Originalquellen.

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